Koch Ausbildung - Erfahrungen und Bewerbermangel
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Freitag, 29. Juli 2011 |
Der Beruf Koch ist für viele junge Menschen ein Traumberuf.
Nun hört man regelmäßig Berichte über den aktuellen Bewerbermangel für eine Kochausbildung.
Wohin gegen es früher einen ausgeprägten Lehrstellenmangel für die meisten Ausbildungsberufe gab und die Hotels und Restaurants sich die besten Bewerber aussuchen konnten, müssen sie sich nun anstrengen um überhaupt noch Bewerbungen zu erhalten.
Die Gründe für den Bewerbermangel für Köche
Wer den Grund für die wenigen Bewerbungen in den demografischen Wandel
sucht, wird nicht fündig werden und macht es sich zudem zu leicht. Die
Gründe weshalb viele junge Menschen den Ausbildungsberuf Koch derzeit
nicht wählen, dürften hausgemacht sein. Insgesamt ist der Beruf aus
mehreren Gründen für Junge Menschen einfach nicht attraktiv genug und
das in mehrfacher Hinsicht. Auch wenn die Arbeit an sich eigentlich eine
sehr schöne Tätigkeit mit vielen Facetten und Entfaltungsmöglichkeiten
bietet, so sind die Rahmenbedingungen äußerst schlecht und deutlich
weniger attraktiv als andere Berufe.
1. Finanzielle Gründe für den Bewerbermangel
Die Vergütung ist bereits während der Ausbildung im Verhältnis zu
anderen Ausbildungsberufen mit etwa 300,- bis 600,- Euro (Abhängig von
Bundesland und Lehrjahr) recht niedrig. Die perspektivischen
Gehaltsmöglichkeiten, sind jedoch deutlich Ausschlagebender für die
Attraktivität eines Berufes. Und genau hier sind die
Zukunftsperspektiven relativ schlecht.
Beispiel Berlin: Hier liegt der Tariflohn für Köche bei 1.419,- Euro.
Das sind 8,56 Euro Stundenlohn. Dieser recht niedrige Lohn lässt kaum
Spielraum für eine Familienplanung zu und dürfte den direkten Weg in die
Altersarmut den Weg ebnen. Allerdings kommt es noch schlimmer. Der
Tariflohn ist erstens nicht bindend und zweitens sind viele Betriebe gar
nicht an den tariflichen Vereinbarungen angeschlossen. Das führt dazu,
dass der Tariflohn oftmals noch nicht mal gezahlt wird, sondern viele
ausgebildete Köche noch unter dem Tariflohn verdienen.
2. Die Arbeitsbelastung der Köche
Im Vergleich zu vielen anderen Tätigkeiten, ist der Beruf des Kochs
überwiegend durch mittelschwere körperliche Arbeit zu definieren.
Hierbei sind neben körperlich schwer zu verrichtenden Aufgaben, auch
noch erschwerende Arbeitszeiten die Regel. Neben Schichten an den
Wochenenden, kommen auch Arbeitszeiten zum späten Abend oder zum sehr
frühen Morgen. Auch „kurze Wechsel“ (Beispiel: Feierabend Montag um
02:00 Uhr - nächster Dienstbeginn Dienstag 07:00 Uhr) sind gängig in
der Branche. Darunter leiden neben dem eigenen körperlichen Befinden,
sehr schnell die sozialen Beziehungen und Kontakte.
3. Hierarchien und Umgang unter Kollegen
Gerade die Top - Gastronomie ist hier noch sehr altmodisch und so
herrschen gerade für junge Menschen sehr gewöhnungsbedürftige
Umgangsformen. Großen Wert wird auf Unterordnung und Disziplin gelegt.
Insbesondere der sehr raue Umgangston von Vorgesetzten zu Untergebenen
und erst recht gegenüber Auszubildenden, ist oftmals äußerst
herabwürdigend. Die Machtpositionen führen nicht selten dazu, dass das
Anschreien bei Fehlern und verbale Demütigungen zum Arbeitsalltag
gehören können. Diese sehr rauen Umgangsformen ziehen sich durch alle
Kategorien der Branche. So muss von der einfachen Kantine bis zum 3
Sterne Gourmetrestaurant damit gerechnet werden, dass die Ausbildung in
dreifacher Hinsicht eine harte Zeit darstellt. Neben der geringen
finanziellen Entlohnung, kommen wie beschrieben, unangenehme
Arbeitszeiten und Umgangsformen hinzu, welche den Arbeitsalltag eher
erschweren als erleichtern. Diese Punkte treffen auch auf die anderen
überwiegenden Tätigkeiten im Hotel zu.
Gerade der Punkt Umgangsformen wird von vielen anderen Branchen längst
genutzt um attraktiv für Bewerber aufzutreten. Dies gilt insbesondere
für die Werbe- und Online – Branche, in welchen das Duzen vom Chef bis
zum Praktikanten völlig normal ist und Teil der Kultur darstellt.
Demgegenüber wird ein Küchenchef oder ein Hoteldirektor von seinen
Mitarbeitern teilweise wie in militärischen Arbeitsverhältnissen
gefürchtet.
Derzeit macht insbesondere eine Reihe von erfolgreichen jungen
Fernsehköchen auf sich aufmerksam. Diese Gruppe stellt allerdings einen
verschwindend kleinen Teil der großen Masse an Köchen dar, welche nicht
diesen Ruhm genießen.
Fazit: Damit der Beruf Koch wieder attraktiver wird und der
Bewerbermangel hinsichtlich der Ausbildung zum Koch gestoppt werden
kann, muss der Berufstand insbesondere die Themen Entlohnung und
Umgangsformen offensiv angehen. Die harte körperliche Arbeit und die
Arbeitszeiten sind nur schwer zu begegnen. Die anderen Themen können
durch eine Brancheninitiative jedoch konstruktiv verbessert werden.
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